Sonnenblumenabend

Meine Augen schweifen in die Ferne. Ich blicke hinaus aus der Seitenscheibe meines Wagens. Ich blicke in Gärten, sehe wie der Herbst in Kälte klammert, und mit der Sonne den Kampf um die letzte Freude in den Gesichtern der Menschen austrägt. Sie wärmen sich ihre kalten Körper. Während sie atmen. Meine Augen berühren den zerfallenen Haufen geschnittener Sonneblumen. Ich starre sie an. In ihrem totem Gestrüpp, ihren Blättern mischt sich fahles Vergänglichkeitsgrau mit den warmen Tönen des schwindenden Sommers.

Ich denke an das Meer. Ich fühle das Salz, friere im kalten Wind der die Sehnsucht über die Wellen zu mir treibt. Ich spüre, wie sich im Fallen mein Knie in den Sand drücken. Koste das Wasser.

Ich erschrecke, wuthupend lärmt mich das Jetzt aus meiner Reise zurück. Ich blinzle kurz und richte meinen Blick nach vorn. Ich atme ein und fahre los. Wieder weiter.

Die Sonne wird bald untergehen.

Stillleben

Dann ist der Moment in dem ich für Sekunden erschrecke. Ich fühle mich, als hätte ich das Denken in mir gestoppt. Das Brotmesser kreuzt den glatten Hals der darunter liegenden Gabel. Der Löffel trägt in Streifen gefügte Negative der Rillen meiner Lippen als diese darüber glitten.

Ich suche das Wispern was plötzlich den Raum erfüllt. Mein Kopf stoppt träge im Nichtstun. Meine Augen wandern. Im Halblicht der kalten, spärlichen Beleuchtung fühle ich Beklemmung. Die Anordnung der Gegenstände, sie beißt in ihrer Stille und macht mich unfähig auch nur einen Punkt aus diesem Gefüge zu bewegen. Sie ist unheimlich. Leise flüstern tausende Gedanken durch den Raum, verschwinden in Wänden und tropfen aus ihnen heraus. Ich spüre Kälte die aus den Mauern dringt, mein Herz, mein einziger Glutpunkt im Hiersein. Mit zitternden Augenlidern blicke ich um mich, leises Krachen erklingt in mir als ich die Regungslosigkeit beiseite schiebe.

Ich habe Angst vor meinem Atem. Die grausige Übereinkunft, die der Anordnung vor mir ihre Spannung gibt, ihr Geheimnis innewohnen läßt, lähmt mich. Sie findet Wunden, findet Wünsche, bemalt meine tiefen Träume mit Vorwürfen. Ich lausche dem Säuseln in meinem Kopf.

Dann falle ich. Für den Moment der Ewigkeit in diesem Wimpernschlag.

Von Ferne dringt das anschwellende Rauschen der Räder auf dunklem Asphalt an mein Gehirn. Ich verrücke den Stuhl ein wenig. Bin wieder auf den Beinen.